Nach einem Stich zählt jede Minute

Wer sich viel im Wald, Wiesen oder Parks bewegt, ist von Frühsommer bis Herbst Zeckenstich-gefährdet. Dann sind die klimatischen Bedingungen für Zecken ideal. Festgeklammert an Gräsern und Sträuchern warten sie auf einen geeigneten Wirt, der sie von dort abstreift. In allen Entwicklungsstadien benötigen die Zecken Blut.

Die Lyme-Borreliose ist eine durch Bakterien ausgelöste Infektionserkrankung. Zecken sind zwar auch Überträger des gefürchteten FSME-Virus (Hirnhautentzündung), allerdings sind die Erreger der Lyme-Borreliose die bei weitem häufigsten durch Zecken übertragene Pathogene in Mitteleuropa. Allein in Deutschland erkranken über 200.000 Menschen jedes Jahr neu an der Lyme-Borreliose (jüngste Hochrechnung der Krankenkassen).

Borrelia_Genomorganisation

Borrelia rDNA-Organisation

Die Borrelien werden nach einem Zeckenstich auf Tiere oder auch auf den Menschen übertragen. Dabei gelangen die Krankheitserreger aus dem Zeckendarm direkt in die Wunde. Ein Zeckenstich ist völlig schmerzlos und wird meist nicht sofort bemerkt. Das Übertragungsrisiko steigt mit der Stichdauer dramatisch an. Jedoch -wie schnell genau für die verschiedenen in Deutschland vorkommenden Borrelienarten ist unklar. Es gibt bisher keine belastbaren Daten, die einen wirklich sicheren Zeitkorridor bis zur konkreten Übertragung zeigen. Es gibt also nur die Richtlinie -je früher entfernt, desto besser.

Einmal auf den Menschen übergegangen und die erste Attacke des menschlichen Immunsystems überlebt, haben die Erreger die Fähigkeit, sich auf lange Zeit im Körper einzunisten und über den ganzen Organismus auszubreiten, ohne zunächst Krankheitssymptome hervorzurufen. Hierbei benutzen die Erreger eine erst in den letzten Jahren entdeckte Strategie, durch ständige Verkleidung oder Änderung ihrer Erkennungssignale, dem Immunsystem zu entgehen. Dadurch „hecheln“ die körpereigenen Abwehrkräfte der sich ausbreitenden Infektion quasi hinterher.

Die Frühsymptome wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Kopfschmerzen sind zu Beginn unspezifisch und werden daher sehr oft übersehen. Gute Heilungschancen für den Menschen bestehen aber gerade bei Früherkennung einer Borrelien-Infektion. Nicht rechtzeitig erkannt, kann die Infektion chronische Gelenkbeschwerden verursachen, den Herzmuskel nachhaltig schädigen, Gesichtslähmungen hervorrufen oder im schlimmsten Fall zur Arbeitsunfähigkeit führen.
Ein Zeckentest liefert daher die wichtige Information, ob überhaupt ein Infektionsrisiko bestand.